Amanogarnelen vermehren und züchten – Geht das?

Amanogarnelen vermehren und züchten – Geht das?

Daniel Wissmann

Amanogarnelen gehören zu den beliebtesten Garnelen in der Aquaristik. Sie sind hervorragende Algenfresser, friedlich und unkompliziert in der Haltung. Viele Aquarianer stellen jedoch irgendwann fest, dass die Weibchen regelmäßig Eier tragen, trotzdem aber kein Nachwuchs im Aquarium erscheint. Das sorgt häufig für Verwirrung. Tatsächlich vermehren sich Amanogarnelen zwar problemlos, die erfolgreiche Aufzucht der Larven ist jedoch deutlich anspruchsvoller als bei vielen anderen Zwerggarnelen. Der Grund dafür liegt in ihrem besonderen Lebenszyklus, der sowohl Süß- als auch Salzwasser erfordert. In diesem Ratgeber erfährst Du, warum das so ist und wie eine gezielte Zucht grundsätzlich möglich wird.


Kurz erklärt

Ja, Amanogarnelen lassen sich vermehren und züchten. Die Paarung und Eiablage erfolgen im Süßwasser. Die geschlüpften Larven benötigen jedoch Brack- bis Salzwasser, um sich weiterzuentwickeln. Erst nach mehreren Entwicklungsstadien kehren die Junggarnelen wieder ins Süßwasser zurück. Ohne diesen Wechsel sterben die Larven nach wenigen Tagen ab.


Steckbrief

Merkmal Information
Deutscher Name Amanogarnele
Wissenschaftlicher Name Caridina multidentata
Herkunft Japan, Taiwan und weitere Regionen Ostasiens
Größe 4 bis 6 cm
Lebenserwartung 5 bis 8 Jahre
Schwierigkeitsgrad Haltung Einfach bis mittel
Schwierigkeitsgrad Zucht Sehr anspruchsvoll
Fortpflanzung Larvenentwicklung über Brack- bzw. Salzwasser
Temperatur 20 bis 26 °C
pH-Wert 6,5 bis 7,8
Gesamthärte 6 bis 15 °dGH
Ernährung Algen, Aufwuchs, Biofilme und Garnelenfutter

Was sind Amanogarnelen?

Die Amanogarnele zählt zu den bekanntesten Süßwassergarnelen überhaupt. Berühmt wurde sie durch den japanischen Aquascaper Takashi Amano, der sie gezielt zur natürlichen Algenbekämpfung in Pflanzenaquarien einsetzte. Ihren heutigen Namen verdankt sie genau diesem Einsatz.

Herkunft

In der Natur leben Amanogarnelen in Flüssen und Bächen Ostasiens. Erwachsene Tiere halten sich überwiegend im Süßwasser auf. Für ihre Fortpflanzung nutzen sie jedoch Flussmündungen, in denen Süß- und Meerwasser aufeinandertreffen. Genau dieser natürliche Lebenszyklus macht die Nachzucht im Aquarium so anspruchsvoll.

Besonderheiten

  • ausgezeichnete Algenfresser
  • friedliches Sozialverhalten
  • aktiv sowohl tagsüber als auch nachts
  • deutlich größer als viele Zwerggarnelen
  • Larven benötigen Salzwasser zur Entwicklung

Vorteile

  • helfen bei der Algenkontrolle
  • robuste und langlebige Garnelen
  • gut für Gesellschaftsaquarien geeignet
  • interessantes Verhalten
  • auch für Einsteiger gut haltbar

Nachteile

  • Nachzucht ist sehr aufwendig
  • Larven überleben im Süßwasser nicht
  • größere Tiere können feines Pflanzenfutter nicht vollständig ersetzen
  • benötigen ausreichend Futter bei geringem Algenaufkommen

Wie vermehren sich Amanogarnelen?

Die eigentliche Fortpflanzung ist bei Amanogarnelen unkompliziert. Sobald ein Weibchen nach der Häutung paarungsbereit ist, geben die Tiere Duftstoffe ins Wasser ab. Die Männchen suchen das Weibchen aktiv und es kommt zur Paarung.

Anschließend trägt das Weibchen mehrere Hundert bis weit über tausend Eier unter dem Hinterleib. Diese werden ständig mit den Schwimmbeinen bewegt und mit frischem Wasser versorgt. Je nach Temperatur schlüpfen die Larven nach etwa vier bis sechs Wochen.

Ab diesem Zeitpunkt unterscheidet sich die Amanogarnele deutlich von den meisten anderen Zwerggarnelen.

Entwicklungsphase Lebensraum
Paarung Süßwasser
Eiablage Süßwasser
Larven Brack- bis Salzwasser
Junggarnelen Rückkehr ins Süßwasser
Erwachsene Tiere Süßwasser

Warum ist die Zucht so schwierig?

Der häufigste Irrtum besteht darin, dass Amanogarnelen wie Neocaridina-Garnelen direkt fertig entwickelte Jungtiere entlassen. Tatsächlich schlüpfen jedoch winzige Larven, die zunächst frei im Wasser schweben.

Diese Larven können sich ausschließlich in salzhaltigem Wasser weiterentwickeln. Im normalen Süßwasseraquarium sterben sie deshalb innerhalb weniger Tage.

Für eine erfolgreiche Nachzucht müssen die Larven daher rechtzeitig in ein separates Aufzuchtbecken mit dem passenden Salzgehalt umgesetzt werden. Dort durchlaufen sie zahlreiche Entwicklungsstadien, bevor sie sich schließlich zu kleinen Garnelen umwandeln.

Erst nach dieser Metamorphose dürfen sie langsam wieder an Süßwasser gewöhnt werden.

Die größten Herausforderungen sind:

  • richtiger Zeitpunkt zum Umsetzen der Larven
  • passender Salzgehalt
  • geeignetes Larvenfutter
  • stabile Wasserqualität
  • vorsichtige Rückgewöhnung an Süßwasser

Die richtigen Bedingungen für eine erfolgreiche Zucht

Bereits vor der Eiablage sollten die Elterntiere unter optimalen Bedingungen gehalten werden. Gesunde und gut ernährte Weibchen tragen mehr Eier und entwickeln kräftigere Larven.

Aquariumgröße

Für eine kleine Gruppe von Amanogarnelen empfiehlt sich ein Aquarium ab etwa 54 Litern. Größere Becken bieten stabilere Wasserwerte und reduzieren Stress.

Aquariumgröße Empfohlene Anzahl Amanogarnelen
54 Liter 6 bis 10 Tiere
80 Liter 10 bis 15 Tiere
120 Liter und größer 15 bis 25 Tiere

Wasserwerte

Stabile Wasserwerte sind wichtiger als das exakte Erreichen eines bestimmten Wertes. Plötzliche Schwankungen können die Häutung und Fortpflanzung beeinträchtigen.

Parameter Empfehlung
Temperatur 20 bis 26 °C
pH-Wert 6,5 bis 7,8
GH 6 bis 15 °dGH
KH 2 bis 8 °dKH
Nitrit nicht nachweisbar
Nitrat möglichst unter 20 mg/l

Einrichtung

Eine naturnahe Einrichtung unterstützt das Wohlbefinden der Tiere. Besonders wichtig sind zahlreiche Verstecke, auf denen sich Biofilme bilden können.

  • Wurzeln und Äste
  • Steinaufbauten
  • Moose
  • feinfiedrige Pflanzen
  • Laub als natürliche Futterquelle

Moose bieten zusätzlich ideale Rückzugsorte für frisch geschlüpfte Larven, solange diese noch im Süßwasserbecken verbleiben.

Pflege

Regelmäßige Wasserwechsel, eine ausgewogene Fütterung und eine gute Sauerstoffversorgung schaffen die Grundlage für gesunde Tiere. Übermäßige Reinigung sollte vermieden werden, da dabei wertvolle Mikroorganismen und Biofilme verloren gehen.

Für die eigentliche Larvenaufzucht wird zusätzlich ein separates Aufzuchtbecken benötigt. Darauf gehen wir im zweiten Teil dieses Ratgebers ausführlich ein.

 


Ernährung

Eine abwechslungsreiche Ernährung ist wichtig, damit Amanogarnelen gesund bleiben und Weibchen ausreichend Energiereserven für die Eibildung aufbauen können. Obwohl Amanogarnelen als hervorragende Algenfresser bekannt sind, reicht der natürliche Algenaufwuchs in den meisten Aquarien dauerhaft nicht aus.

Geeignetes Futter

Was eignet sich nicht?

  • zuckerhaltige Lebensmittel
  • zu große Mengen eiweißreichen Futters

Vor allem während der Fortpflanzungszeit profitieren Amanogarnelen von einer abwechslungsreichen Ernährung. Gleichzeitig sollte sparsam gefüttert werden, damit sich die Wasserqualität nicht verschlechtert.

Futter Häufigkeit
Algenaufwuchs und Biofilme ständig verfügbar
Garnelenhauptfutter 3 bis 5 Mal pro Woche
Mineralienfutter 1 bis 2 Mal pro Woche
Proteinfutter etwa 1 Mal pro Woche
Laub dauerhaft im Aquarium

Haltung und Vergesellschaftung

Amanogarnelen sind friedliche Gruppentiere und fühlen sich in einer kleinen Gruppe deutlich wohler als einzeln. Empfehlenswert sind mindestens sechs Tiere, besser jedoch zehn oder mehr.

Geeignete Mitbewohner

Ungeeignete Mitbewohner

  • große Barsche
  • Raubfische
  • große Schmerlen
  • Flusskrebse
  • große Fächergarnelen mit deutlich abweichenden Ansprüchen

Wichtige Hinweise

Für eine erfolgreiche Zucht empfiehlt sich ein separates Artenbecken. Zwar vermehren sich Amanogarnelen auch im Gesellschaftsaquarium, die empfindlichen Larven werden dort jedoch meist von Fischen gefressen oder gelangen in den Filter.


Wie funktioniert die Aufzucht der Larven?

Die eigentliche Herausforderung beginnt erst nach dem Schlupf der Larven.

Sobald das Weibchen die Larven entlässt, müssen diese möglichst zeitnah in ein separates Aufzuchtbecken überführt werden. Dort benötigen sie Meerwasser mit einem Salzgehalt von etwa 30 bis 35 Gramm Meersalz pro Liter. Normales Speisesalz ist dafür ungeeignet. Verwende ausschließlich hochwertiges Meersalz für Meerwasseraquarien.

Das Aufzuchtbecken sollte gut belüftet werden und möglichst frei von starken Strömungen sein. Ein luftbetriebener Schwammfilter eignet sich besonders gut, da die winzigen Larven nicht eingesaugt werden.

Während ihrer Entwicklung ernähren sich die Larven von sehr feinem Schwebefutter. Bewährt haben sich:

  • Phytoplankton
  • Mikroalgen
  • feines Staubfutter für Garnelenlarven
  • spezielles Larvenfutter aus dem Fachhandel

Je nach Temperatur dauert die Entwicklung etwa vier bis sechs Wochen. Erst wenn sich die Larven vollständig zu kleinen Garnelen umgewandelt haben, dürfen sie langsam wieder an Süßwasser gewöhnt werden. Eine zu schnelle Umstellung führt häufig zu hohen Verlusten.

Entwicklungsphase Dauer Wasser
Ei 4 bis 6 Wochen Süßwasser
Larve 4 bis 6 Wochen Meerwasser
Junggarnele mehrere Tage Eingewöhnung langsame Rückumstellung auf Süßwasser

Häufige Probleme

Die Weibchen tragen Eier, aber es schlüpfen keine Jungtiere

Ursache: Die Larven benötigen nach dem Schlupf Salzwasser und sterben im Süßwasser.

Lösung: Die Larven rechtzeitig in ein vorbereitetes Aufzuchtbecken überführen.

Viele Larven sterben bereits nach wenigen Tagen

Ursache: Falscher Salzgehalt, ungeeignetes Futter oder schlechte Wasserqualität.

Lösung: Salzgehalt kontrollieren, hochwertiges Larvenfutter verwenden und regelmäßig kleine Wasserwechsel durchführen.

Die Garnelen tragen keine Eier

Ursache: Zu wenige Tiere, ausschließlich ein Geschlecht, Stress oder ungeeignete Wasserwerte.

Lösung: Eine ausreichend große Gruppe halten und die Haltungsbedingungen optimieren.

Häutungsprobleme

Ursache: Mineralstoffmangel oder starke Schwankungen der Wasserwerte.

Lösung: Für stabile Wasserwerte sorgen und ein ausgewogenes Mineralstoffangebot sicherstellen.


Häufige Fehler

  • Die Larven im Süßwasser belassen.
  • Normales Kochsalz statt Meersalz verwenden.
  • Zu kleine Zuchtgruppe halten.
  • Zu starke Filterströmung im Aufzuchtbecken.
  • Ungeeignetes oder zu grobes Larvenfutter einsetzen.
  • Zu schnelle Umgewöhnung zurück ins Süßwasser.
  • Schwankende Wasserwerte unterschätzen.
  • Zu selten Wasserwerte kontrollieren.

Praxistipps

  • Halte Amanogarnelen immer in einer Gruppe von mindestens sechs bis zehn Tieren.
  • Bereite das Aufzuchtbecken bereits vor dem Schlupf der Larven vollständig vor.
  • Verwende ausschließlich hochwertiges Meersalz für Meerwasseraquarien.
  • Kontrolliere Temperatur und Salzgehalt regelmäßig mit geeigneten Messgeräten.
  • Füttere die Larven lieber häufiger in kleinen Mengen als selten in großen Portionen.
  • Führe kleine, regelmäßige Wasserwechsel durch, um die Wasserqualität stabil zu halten.
  • Geduld gehört zur Amanogarnelenzucht dazu. Nicht jeder Versuch gelingt sofort.

Vergleich: Amanogarnele oder Neocaridina?

Merkmal Amanogarnele Neocaridina
Nachzucht im Süßwasser Nein Ja
Larvenstadium Ja Nein
Benötigt Salzwasser Ja Nein
Schwierigkeitsgrad der Zucht Sehr hoch Einfach
Algenbekämpfung Sehr gut Gut
Größe 4 bis 6 cm 2 bis 3 cm

Fazit

Die Vermehrung von Amanogarnelen ist im Aquarium ganz natürlich und regelmäßig zu beobachten. Die eigentliche Zucht stellt jedoch selbst erfahrene Aquarianer vor eine Herausforderung. Entscheidend ist der besondere Lebenszyklus der Art: Während erwachsene Tiere im Süßwasser leben, benötigen die Larven für ihre Entwicklung Meerwasser.

Mit einem gut vorbereiteten Aufzuchtbecken, passenden Wasserwerten, geeignetem Larvenfutter und etwas Geduld ist eine erfolgreiche Nachzucht durchaus möglich. Für Einsteiger eignet sich die Haltung von Amanogarnelen jedoch deutlich besser als die gezielte Zucht.

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Häufig gestellte Fragen

Amanogarnelen vermehren und züchten – Geht das?

Kann man Amanogarnelen im Süßwasseraquarium vermehren?

Ja. Die Tiere paaren sich und tragen Eier im Süßwasser. Die Larven benötigen anschließend jedoch Brackwasser für ihre Entwicklung.

Warum überleben die Larven im Aquarium nicht?

Weil sie ohne den Wechsel in Brackwasser ihre Entwicklung nicht abschließen können und nach wenigen Tagen sterben.

Wie viele Eier trägt eine Amanogarnele?

in Weibchen trägt je nach Größe und Alter meist mehrere Hundert bis über tausend Eier.

Wie lange dauert die Entwicklung der Larven?

Vom Schlupf bis zur fertigen Junggarnele vergehen in der Regel etwa vier bis sechs Wochen, abhängig von Temperatur und Haltungsbedingungen.

Ist die Zucht von Amanogarnelen für Anfänger geeignet?

Eher nicht. Die Haltung ist unkompliziert, die gezielte Nachzucht erfordert jedoch ein separates Aufzuchtbecken, Brackwasser, geeignetes Larvenfutter und viel Erfahrung.

Über mich, den Autor

Daniel Wissmann
Gründer von Rennschnecken-Shop.de

Seit vielen Jahren beschäftige ich mich mit Rennschnecken, Wasserschnecken, Zwerggarnelen und der naturnahen Aquaristik. In meinen Ratgebern teile ich praktische Erfahrungen, Pflegetipps und verständliches Fachwissen rund um die erfolgreiche Haltung von Wirbellosen und die Pflege von Aquarien.

Meine Schwerpunkte:

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🦐 Zwerggarnelen
🌿 Aquarienpflanzen
💧 Wasserwerte & Aquarienpflege
🦠 Algenprävention und natürliche Algenbekämpfung

Zuletzt aktualisiert:18. Juli 2025
Geprüft von:Daniel Wissmann

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